Die Krimi-Adventskalender

Adventskalender_Weihnachtlich

Ab Oktober gibt es wieder neue Krimi-Adventskalender,  einmal die Geschichte aus dem Vorjahr: Weihnachtsgeschäfte und ganz neu: Reingeschlittert

Dieses Jahr sind die Tüten in liebevoll handgenähten Jutesäcken verpackt.

Reingeschlittert

Beim ersten Schnee kommt Rico mit seinem Auto ins Schlittern und die Zeugen haben nichts gesehen. Ein ganz alltäglicher Autounfall, denkt die Polizei. Erst als die Lokal-Nachrichten darüber berichten, werden einige Leute nervös.

Weihnachtsgeschäfte

Hendriks Stand auf dem Weihnachtsmarkt bringt kaum Gewinn. Und auch Pascals Geschäfte laufen schlecht. Beide geraten in Erklärungsnot.
„Im Moment spinnen sie wohl alle“, denkt Martin, der Polizist, und findet vieles unerklärlich.

Jeden Tag kommen Sie der Wahrheit ein Stückchen näher, am Heiligabend ist der Fall geklärt. Dazu gibt es jeden Tag eine passende Überraschung, etwas Süßes, etwas Gesundes, etwas Schönes oder etwas Praktisches.

Die Krimi-Adventskalender ist ab Oktober bei etsy, eBay oder unter rieke.wetter@web.de erhältlich.

Bei Direktabholung kostet der Kalender 33,30 €, mit Versand 39,99 €.

Neugierig geworden?

Leseprobe aus Weihnachtsgeschäfte

Pascal hat ein dummes Gefühl, als sein Handy klingelt. Und ein noch dümmeres, als er sieht, wer ihn sprechen will. Es ist der Kahle. Sie waren verabredet gewesen, und er, Pascal, ist nicht erschienen. Dabei ist es nicht seine Schuld. Saskia kam heute erst spät nach Hause, die Kleine schrie wie verrückt, und so hat sich eben alles verzögert. Nun sind sie beide zusammen eingeschlafen, Saskia und das Baby.

„Ich bin quasi schon auf dem Weg“, meldet er sich, bevor der Kahle ihn anraunzen kann.

„Das will ich hoffen!“ Die Stimme klingt unfreundlich. Und Pascal fragt sich, nicht zum ersten Mal, ob der Kahle wirklich sein Freund ist. Damals, als Pascal das erste Mal im Knast war, und alle auf ihm, dem schmächtigen Jungen, herumhackten, war der Kahle, wie ihn alle nannten, sein Beschützer gewesen. Mehrmals hatte er sich vor ihn gestellt und die Situation für ihn geklärt. Pascal war ihm unendlich dankbar gewesen, und auch später waren sie in Kontakt geblieben.

„Ich kann mich doch auf euch verlassen?“

„Selbstverständlich. Ich komme gleich.“

Hektisch sucht er die Tasche, Saskia muss sie irgendwo im Flur abgelegt haben. Endlich findet er sie, verdeckt unter Saskias Wintermantel. Er atmet erleichtert aus. Jetzt schnell los, dann hat er seinen Teil der Verabredung erfüllt. Doch dann wird ihm schlecht. Als er die Tasche öffnet, findet er nur eine Windel und einen Ersatzschnuller darin. Sonst nichts. Er kippt die Tasche aus, klopft sie ab, schüttelt, nichts. Schweißperlen bilden sich auf seiner Stirn, dann ruft er sich zur Ordnung. Bestimmt hat sie die Päckchen woanders hin geräumt. Er wühlt den Kinderwagen durch, ihre Manteltaschen, ohne Erfolg. Saskia, was hat sie gemacht? War sie zu blöd, ein paar Botengänge zu erledigen? Bestimmt nicht, nicht Saskia, die immer weiß, wo es langgeht. Dann kommt ihm ein ganz unangenehmer Gedanke, schließlich hatte Saskia mehrfach gesagt, dass sie am liebsten abhauen würde, irgendwo mit der Kleinen neu anfangen. Wenn sie nur Geld hätte. Macht sie jetzt etwa ihr eigenes Ding? Dann wäre sie wirklich blöd. Pascal weiß ziemlich genau, weshalb der Kahle ihn im Knast so gut beschützen konnte. Weil kein klardenkender Mensch sich mit ihm anlegen will.

Leseprobe aus Reingeschlittert

Es schneit. Dicke, wässrige Schneeflocken trudeln durch die Luft, verwandeln sich auf der Straße in wässrigen Matsch. Rico bremst vorsichtig, der Wagen rutscht. Natürlich, er hat ja noch Sommerreifen drauf. Dabei kennt er die Regel: von O bis O, Oktober bis Ostern. Er ist nicht uneinsichtig, auch nicht faul, das Problem ist, dass die alten Winterreifen nichts taugen, schon im letzten Jahr nicht, aber er hat einfach kein Geld für neue. Sie hätten sich das Haus nicht kaufen dürfen, er verdiente nicht genug, die Zwangsversteigerung und die Scheidung gaben ihm den Rest. Und die Jungen? Sie geben ihm die Schuld, weil er ihre teuren Wünsche nicht erfüllen kann und überhaupt: Sie nehmen ihn nicht ernst. Rico will ihnen keine Vorwürfe machen, sie sind noch Kinder. Später werden sie ihn besser verstehen, jetzt muss er erst mal seine finanzielle Situation verbessern. Gut, dass er Freunde hat, die ihn bei seinem Nebenerwerb unterstützen. Und bisher lief es eigentlich nicht schlecht, bis auf heute. Aber auch da war es ihm gelungen, das Beste aus der Situation zu machen. Auch wenn der Tag heute nicht so lief wie geplant, Rico ist zufrieden mit sich. In seinem Beruf hat er gelernt, mit schwierigen Menschen umzugehen. Und seine Vorgesetzte besteht auf regelmäßiger Fortbildung. Wie sagte der Referent bei der letzten Fortbildung so schön: „Nehmen Sie Misstrauen nie persönlich!“ und „Bleiben Sie immer sachlich, auch wenn Sie beschimpft werden, lassen Sie sich nie auf die Wortwahl der Klienten ein!“ Rico hielt sich daran, er war ruhig geblieben, als die alte Dame, die er besuchte, misstrauisch wurde, er war ja darauf vorbereitet. Nur als sie seinen Namen und den Namen seines Vorgesetzten wissen wollte, war er einen Augenblick aus der Fassung geraten. Aber nur kurz. Er drückte ihr schnell eine Visitenkarte in die Hand. Dann hat er sich freundlich verabschiedet und gesagt: „Ich kann Ihre Skepsis verstehen, sprechen Sie mit meinem Chef, Sie erreichen ihn unter der oberen Nummer. Wir können die Beratung danach fortsetzen, wenn Sie mögen.“ Dann ging er schnell, bevor die Frau irgendjemanden anrufen konnte, bevor es Ärger gab.

Jetzt lenkt er vorsichtig das Auto durch die Wohnstraßen, es scheint ihm günstiger als die Hauptverkehrsstraße, auch wenn es vielleicht ein kleiner Umweg ist. Es sieht hier friedlich aus, lauter Einfamilien- und Doppelhäuser mit Vorgärten. Er denkt an sein eigenes Haus, das Haus, das er abgeben musste, bevor es sein eigenes war. Der alte Ärger, die alte Bitterkeit steigt in ihm auf. Ein weißes Auto kommt aus einer Seitenstraße, Rico bemerkt es erst im letzten Moment. Er sieht es und schaut fast gleichzeitig an sich herab. Jetzt keinen Unfall, denkt er. Bloß keinen Unfall. Er reißt das Lenkrad um, es ist mehr ein Reflex. Der Wagen kommt ins Schlittern, den Fahrradfahrer auf der Gegenfahrbahn sieht er erst, als es kracht.